Grün investieren ist Chic

Die Zeiten, in denen ökologisches Verhalten mit Verzicht gleichgesetzt wurde, sind vorbei. Dies gilt insbesondere für grüne Investments. Gerade bei Ökofirmen winken satte Ernten.

Die Reichen und Schönen gelten schon immer als Trendsetter. Was Hollywoodstars tragen oder machen, ist „in“. Auch beim Geldausgeben haben sie die Nase vorn. Die heißesten Autos sind für sie derzeit aber nicht etwa Hummer, Aston Martin oder Lamborghini. Stars wie Cameron Diaz oder Leonardo DiCaprio schwören vielmehr auf Hybrid-Autos wie den Toyota Prius und warten schon ungeduldig auf den Tesla Roadster, den ersten Sportwagen mit Elektroantrieb.

Auch beim Geldanlegen haben die Reichen und Superreichen ein grünes Gewissen. Schon 26 Prozent von ihnen investieren ihr Vermögen grün. Sie teilen sich zusammen mit den Pensionskassen 70 Prozent des Marktes für grünes Geld – Tendenz steigend.

„Es kommen immer mehr Kunden zu uns, die ihr Vermögen nachhaltig verwalten lassen wollen. Wir haben hohe zweistellige Zuwachsraten.“

Öko-Boom

Vom Öko-Boom profitieren kann jeder. Denn die Zahl der Fonds wächst ständig. „Das Volumen ist um etwa 90 Prozent gestiegen, die Anzahl der Fonds um rund 30 Prozent“, so Paschen von Flotow vom Sustainable Business Institute der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. Inzwischen können Anleger aus Deutschland aus mehr als 200 Nachhaltigkeitsfonds auswählen. Jedoch lassen die sich meist nur schwer vergleichen, zu unterschiedlich sind ihre Zielrichtungen.

Als Lösung bieten sich seit kurzem Gütesiegel an. Denn so mancher Fonds entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als doch nicht ganz so grün wie behauptet. Seit 1. Mai 2008 können sich zudem besonders transparente Fondsgesellschaften mit dem Europäischen Transparenzlogo für nachhaltige Publikumsfonds schmücken. Das Logo geht auf eine Gemeinschaftsinitiative des Forums Nachhaltige Geldanlagen und des europäischen Dachverbands Eurosif (European Social Investment Forum) zurück.

Das Transparenzlogo

Das Transparenzlogo haben derzeit bereits sechs Anbieter für ihre Fonds erhalten: Dr. Höller, Erste Sparinvest, Kepler-Fonds, SAM (Sustainable Asset Management), Swisscanto Asset Management sowie die ZKB (Züricher Kantonalbank). Gemeinsam verwalten sie 34 Fonds, die das neue Logo tragen. (Mehr Infos zum Transparenzlogo und eine aktuelle Liste der ausgezeichneten Investmentprodukte finden Sie unter www.forum-ng.de)

Dass damit alle Kritiker verstummen, darf bezweifelt werden. Denn das Gütesiegel verspricht aktuell nur Transparenz. Welche Werte der jeweilige Fonds als ökologisch, nachhaltig oder ethisch überzeugend akzeptiert, bleibt jedem Anbieter selbst überlassen. Eurosif hat 2007 in einer Studie nicht weniger als zehn verschiedene Anlagestrategien identifiziert. Und es werden immer neue Nischen besetzt, deren Anlegernutzen fragwürdig ist. Ob Healthy Living oder nachhaltige Emerging Markets – nichts scheint unmöglich.

Grüne Investmentwelt

Die grüne Investmentwelt lässt sich grob in vier Bereiche teilen: Die Umwelttechnologie- beziehungsweise Klimawandelfonds und die klassischen Nachhaltigkeitsfonds, die auch als Ethikfonds bekannt sind. Zum anderen Fonds, die den Best-in-class-Ansatz verfolgen. Hier werden keine Branchen ausgeschlossen, sondern jeweils die besten Unternehmen bzw. Aktien in Sachen Nachhaltigkeit ausgewählt. Und dann die immer populärer werdenden Dachfonds beziehungsweise Superfonds, die eine komplette nachhaltige Vermögensverwaltung in einem Produkt bieten.

Besonders gefragt sind Umwelttechnologiefonds, die auch als Klimawandelfonds firmieren. Sie setzen auf Alternative Energien, Wasseraufbereitung und Recycling. Auch die Themen Mineralölersatz und Energieeffizienz spielen immer häufiger eine wichtige Rolle. Ein gutes Beispiel ist der Sarasin New Power Fund, der von der Energiewende profitieren will. Denn die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass der weltweite Bedarf an Energie bis 2030 um zwei Drittel steigen wird. Zudem neigt sich das Erdölzeitalter dem Ende zu. Daher werden Fonds profitieren, die in die gesamte Wertschöpfungskette des Energiemarktes investieren.
Allerdings sind diese Fonds sehr volatil. Deshalb sollte man bei New Energy oder Klimawandelfonds den Ratschlag von André Kostelany beherzigen: „Kaufen Sie Aktien, nehmen sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Die Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre stehen dafür: Die besten Fonds schafften rund 190 % Gewinn.

Eine gute Alternative zu New Energy Fonds sind die jüngst auf den Markt gekommenen Produkte wie etwa der LBBW Global Warming oder Parvest Global Environment. Sie sind breiter aufgestellt und investieren nur in zukunftsweisende Unternehmen. So setzen Christoph Keidel und Wolfgang Schrage beim LBBW Global Warming auf Unternehmen, die durch geringen CO²-Ausstoß der globalen Erwärmung entgegenwirken und so die Folgen der Erderwärmung mildern.
Der Fonds ist somit nicht nur auf Solar- oder Windkraft fixiert, sondern kann auch in Unternehmen investieren, die etwa Dämmstoffe oder Strom sparende LEDs herstellen. Diese Flexibilität hat sich in diesem Jahr bewährt – der Fonds hat kaum an Wert verloren. Zudem wendet er ein Negativ-Screening an, wobei überprüft wird, ob die Firmen bestimmte Kriterien – etwa eine Strategie zur Verringerungdes CO²-Ausstoßes – erfüllen.

Auch beim Parvest Global Environment dreht sich alles um den Klimawandel. „Hier gibt es in den verschiedensten Segmenten Lösungen, nicht nur im Bereich der Erneuerbaren Energien, sondern auch in den Sektoren Öl und Wasser“, sagt Erik Borremans, Nachhaltigkeitschef von BNP Paribas. Weil er in den Sektoren Energie, Wasser und Müll viele langfristige Wachstumstreiber findet, ist sein neuer Fonds sehr breit aufgestellt.

„Es geht beispielsweise um Deregulierungen, Umweltpolitik, sowie den Wettbewerb um saubere Energien – dort findet man Wachstumsraten um die 30 Prozent“. In manchen Bereichen sieht man sogar noch größere Chancen. Etwa in der Windkraft. China will seine Anlagen bis zum Jahr 2020 auf 30 Gigawatt ausbauen. Das wäre eine Versechsfachung, wodurch China 10 Prozent der weltweiten Windenergie erzeugen würde. Um davon zu profitieren, setzt Parvest auf Unternehmen, die mindestens 50 Prozent ihrer Gewinne mit dem Umweltgeschäft erzielen. Wenngleich beide Fonds noch keine lange Historie aufweisen, ist ihr Themenmix sehr aussichtsreich.

Die klassischen ethischen Fonds schließen „böse“ Unternehmen kategorisch aus. Tabakhersteller , Rüstungsfirmen, Kernenergie oder Pornografie-Unternehmen beispielsweise haben in Social Responsible Investments (SRI) keinen Platz. Diese Investmentansätze, die es in den USA seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gibt, sind bei uns seit rund 20 Jahren fester Bestandteil der Fondswelt.

Ein Fonds, der trotz sehr strenger Maßstäbe beständig gute Leistungen abliefert, ist der ESPA WWF Stock Umwelt. Manager Hans Leitner will auch die ganz Kritischen überzeugen. Ohne Plazet des World Wild Life Fund (WWF) darf der Österreicher keinen neuen Titel in den Fonds aufnehmen.