Flexible-Unternehmen
Projektführung und Projektmanagement
Wie Sie Strategien schlagkräftig umsetzen     
Was das Projektmanagement von den alten Römern lernen kann
 
Jens-Peter Toepper; Knut Deimer
 

Was haben moderne Wirtschaftsprojekte mit der historischen römischen Legion gemein? Nichts, sollte man meinen. Die genaue Analyse der Organisationsstrukturen in der römischen Armee zeigt jedoch, dass sich überraschend viele ihrer Erfolgskriterien auf moderne Unternehmen übertragen lassen.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • wie die römische Armee organisiert und ausgerüstet wurde,
  • welche universellen Erfolgsfaktoren sich daraus ableiten lassen und
  • was ein modernes Projektmanagement daraus lernen kann.

 

Einleitung Ausgangslage

»Das einzig Neue auf der Welt ist die Geschichte, die man noch nicht kennt.« [1], Harry Truman [2]

Die Weiterentwicklung von Technologien, von Märkten und der Einfluss von politischen Systemen setzen wichtige Rahmenbedingungen für die Art und Weise, wie sich Wirtschaftsunternehmen organisieren müssen, um erfolgreich operieren zu können. Im 18. Jahrhundert waren es eine Reihe von Erfindungen, wie zum Beispiel das fliegende Weberschiffchen, die Eisengewinnung mit Koks, die Dampfmaschine und der mechanische Webstuhl, welche die Industrialisierung in Gang brachten. Mit der Fließbandproduktion, die Henry Ford 1913 für die Automobilfertigung einsetzte, war ein maßgeblicher Schritt bei der Durchsetzung industrieller Produktionsformen getan. Die Produktion von ökonomischen Gütern fand nun vorwiegend in Fabriken und Anlagen statt und war, im Gegensatz zur handwerklichen Produktionsform, gekennzeichnet durch die Mechanisierung und Automatisierung von Arbeitsprozessen. Durch Transportmittel wie Eisenbahnen, Dampf- und Motorschiffe, Automobile und Flugzeuge war es möglich geworden, große Waren- und Personenmengen über lange Strecken und schnell an ihre Bestimmungsorte zu transportieren. Seitdem ist es den Unternehmen möglich, Rohstoffe in dem Maße zu beschaffen, wie es für die Produktion notwendig ist. Die produzierten Güter können nun auch an Absatzmärkte verteilt werden, die mit bis dahin üblichen Transportmitteln nicht erreicht werden konnten. In der Folge wurden neue Absatzmärkte erschlossen und auch bis dahin nicht denkbare Industriekomplexe errichtet.

Für die Organisation der Unternehmen hatten diese Entwicklungen signifikante Auswirkungen. Hatten wir es im 18. Jahrhundert noch mit kleinen Handwerksbetrieben zu tun, so entwickelten sich im Zuge der Industrialisierung zunächst Manufakturen und dann große Industrieunternehmen. Die Vielfalt und die Menge der zu leistenden Arbeiten und Aufgaben konnten nur noch durch Spezialisierung und Arbeitsteilung bewältigt werden. Die funktionsorientierte Strukturierung der Unternehmen setzte ein und brachte eine Ausrichtung von Unternehmensbereichen auf bestimmte Tätigkeiten mit sich. So wurden Forschungsabteilungen gegründet. Der Produktionsbetrieb wurde zunehmend gegliedert, um strukturierte und effiziente Arbeitsprozesse zu schaffen. Kaufmännische Bereiche wie Rechnungswesen und Einkauf wurden gebildet, um den Fluss von Waren und Finanzen zu bearbeiten und zu steuern. Personalabteilungen wurden aufgebaut, um für das qualitativ und quantitativ notwendige Personal zu sorgen. Vertriebsabteilungen wurden gegründet und übernahmen die Verantwortung für die Erschließung und Entwicklung von Absatzmärkten. Diese funktionale Vielfalt führte zu einer Reihe von unternehmensinternen Schnittstellen und musste koordiniert und abgegrenzt, aber auch überprüft werden. Diese Aufgabe übernahmen Stabsfunktionen wie die Betriebsorganisation und die Revision. Um die betriebliche Funktionsfähigkeit nachhaltig zu sichern, wurden verschiedene Organisationsformen für die Unternehmen entwickelt. Organisationsformen charakterisieren die Art der Unternehmensorganisation und beschreiben die Aufbau- und die Ablauforganisation. Im Laufe der Zeit wurden die Organisationsformen immer ausgeklügelter, feiner und vielfältiger. So entstanden zum Beispiel die Einlinienorganisation und die Mehrlinienorganisation. Für die Einlinienorganisation ist typisch, dass eine Anweisung an eine Stelle nur von einer übergeordneten Instanz kommen kann. Im Gegensatz dazu kann bei der Mehrlinienorganisation eine untergeordnete Stelle von mehreren übergeordneten Stellen Anweisungen erhalten.

Abb. 1:

Entwicklungen im 20. Jahrhundert

Die Veränderung der wirtschaftlichen Gegebenheiten zog eine Veränderung der politischen Lage nach sich. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Industriegesellschaft nahm auch deren politischer Einfluss zu. Feudalistische Systeme wandelten sich allmählich in kapitalistische Systeme, und absolute Regierungsformen hatten zunehmend ausgedient und wurden durch bürgerlich demokratische Regierungsformen ersetzt. Damit einher ging eine zunehmende Verknüpfung von Staat und Industrie. Diese führte unter anderem auch dazu, dass der Staat verstärkt wirtschaftliche Regulierungsfunktionen übernahm und in einigen Bereichen sogar selbst zum Unternehmer wurde und große Industriebetriebe unterhielt.

Die Anforderungen an die Arbeit und somit die Arbeitsorganisation in den Betrieben begannen sich in diesem Kontext dramatisch zu verändern. Der Bedarf an Arbeitskräften in der Industrie stieg rasant, Teile der Bevölkerung verließen das Land und suchten Arbeit in der Industrie. Dort fanden die Arbeitssuchenden neue und häufig auch kompliziertere und spezialisiertere Arbeitsaufgaben als bisher vor. Um diese ausführen zu können, waren die Arbeiter gezwungen, sich vollkommen neue Qualifikationsprofile anzueignen. Dieses zunehmend hohe Bildungsniveau der Arbeiter, gepaart mit der Konzentration von vielen Arbeitern an industriellen Schwerpunkten, führte zu mehr Selbstbewusstsein in der Arbeiterschaft. Seinen Ausdruck fand dieses vermehrte Selbstbewusstsein zunächst in der Gründung von Gewerkschaften und Parteien und äußert sich im heutigen Deutschland vor allem auch in der Mitbestimmung der Arbeitnehmer bei unternehmerischen Entscheidungen. Das betrifft einerseits die Ordnung des Betriebes, die Arbeitsbedingungen und den Umgang des Personals und andererseits auch wirtschaftliche Entscheidungen über Entwicklung und Zukunft des Unternehmens und seine Arbeitsplätze.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich in Teilen Europas und Asiens ein Gegenmodell zum Kapitalismus zu entwickeln, der Sozialismus/Kommunismus. Sowohl wirtschaftlich als auch politisch wurden dort andere Wege eingeschlagen. Zentralistische Organisationsformen steuerten sowohl die Politik wie auch die Wirtschaft. Der Staat übernahm alle wirtschaftlichen und politischen Funktionen. Anstelle von Eigenverantwortung und Gewinnstreben traten staatliche Vorsorge und verordnete Bedürfnisbefriedigung, soweit die vorhandenen wirtschaftlichen Kapazitäten dies zuließen. Dass sich dieses Gegenmodell zum Kapitalismus über einen längeren Zeitraum in einigen Ländern recht erfolgreich entwickelte, mag zum einen an den umfangreichen Staatsfunktionen gelegen haben, die hier regulierend wirkten, zum anderen aber auch daran, dass viele Menschen ein Gefühl der Berechenbarkeit des Systems und der Sicherheit der eigenen sozialen Lage entwickelten. Das wirtschaftliche und ideologische Wettrennen zwischen Kapitalismus und Sozialismus/Kommunismus band einen Großteil der Ressourcen beider Systeme. Zu Beginn der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts war die Entscheidung zugunsten des Kapitalismus gefallen. Die wirtschaftlichen und politischen Schranken zwischen diesen Systemen verschwanden. Demokratie und Marktwirtschaft hatten sich in ganz Europa, und bis auf wenige Ausnahmen auch weltweit, durchgesetzt. In einem sehr kurzen Zeitraum von wenigen Jahren hat sich so das wirtschaftliche und politische Bild der Welt stark verändert.

Dies hatte einen neuen Entwicklungsschub zur Folge. Neue Märkte entstanden beziehungsweise konnten erschlossen werden, und frei werdende wirtschaftliche Ressourcen konnten neu eingesetzt werden. Die Absatzmärkte und die Kundenbedürfnisse entwickeln sich seit dem stetig weiter, sind aber aufgrund ihrer Vielfalt immer schwerer zu kalkulieren. Der Staat ist als Unternehmer diesem Veränderungsprozess zunehmend nicht mehr gewachsen. Er zieht sich auf seine regulierenden Kernkompetenzen wie Gesetzgebung und hoheitliche Aufgaben zurück und privatisiert seine Unternehmen. Hinzu kommt, dass Mitarbeiter und politische Interessengruppen zunehmend höhere Erwartungen an das soziale und gesellschaftliche Engagement der Unternehmen postulieren, während die Shareholder hohe Gewinn-margen erwarten.

Unsere Gegenwart ist durch Globalisierung, Deregulierung, Liberalisierung und Digitalisierung gekennzeichnet. Die Unternehmen sind gezwungen, die Herausforderungen, die sich daraus ergeben, anzunehmen und ständig neue Überlebenskonzepte zu entwickeln, um wirtschaftlich erfolgreich sein zu können. Komplexe und miteinander konkurrierende Anforderungen zwingen die Unternehmen und ihre Mitarbeiter zu einem ständig schnelleren Veränderungsprozess.

Es stellt sich also für alle Unternehmen immer wieder die Frage nach der richtigen Organisationsform, denn diese hat einen maßgeblichen Anteil am Erfolg des jeweiligen Unternehmens. Die gewählte Organisationsform ist dabei nicht nur wesentlich für den wirtschaftlichen Erfolg, sondern gibt auch die Handlungsorientierung für die Gestaltung von Personalstrukturen und IT-Anwendungen vor.

Abb. 2:

Gegenwärtige Entwicklung

Es gibt allerdings universelle und zeitlose Faktoren, die erfolgreiche Organisationen kennzeichnen und auf die man bei der Entwicklung der eigenen Organisation zurückgreifen kann. Im Folgenden werden wir dies am Beispiel der römischen Legionen verdeutlichen.

Methodisches Vorgehen


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Jens-Peter Toepper

Jens-Peter Toepper ist seit vielen Jahren bei den Berliner Flughäfen beschäftigt. Zunächst arbeitete er in unterschiedlichen IT-Funktionen, seit einigen Jahren ist er Leiter der Organisationsabteilung der Berliner Flughäfen. Herr Toepper ist für Organisationsentwicklung, Betriebsorganisation und Arbeitssicherheit zuständig. Neben dem Berufsabschluss IT-Kaufmann verfügt Herr Toepper über einen Abschluss als staatlich geprüfter Betriebswirt für Organisation- und Datenverarbeitung. Einen Mastergrad erwarb Herr Toepper in einem weiteren berufsbegleitenden Studium an der Universität der Künste Berlin in Kooperation mit der Universität Sankt Gallen. In seiner Freizeit beschäftigt sich Herr Toepper mit militärhistorischen Themen, wobei vor allem Strategien, Planungen, Strukturen, Führung und Verhalten im Mittelpunkt seines Interesses stehen. E-Mail: Jens-Peter.Toepper@berlin-airport.de
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Knut Deimer

Dipl.-Mathematiker (Uni Dortmund), war nach seinem Studium bei verschiedenen Industrieunternehmen (Akzo, Exxon Chemical, Krupp Atlas Datensysteme, VW-Gedas) tätig. Zunächst arbeitete er in der Software-Entwicklung und System-Administration. Später lag der Schwerpunkt auf der Konzeption und der Realisierung komplexer Steuerungs- und Logistiksysteme und dem Management von Großprojekten. Seit 1994 ist Herr Deimer bei den Berliner Flughäfen verantwortlich für den gesamten IT-Bereich. Neben dem Betrieb der vorhandenen Flughäfen liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf der Planung der IuK-Infrastruktur und deren Inbetriebnahme für den in Bau befindlichen neuen Hauptstadt-Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI), der zum Winterflugplan 2011 ans Netz gehen soll. Im Jahre 2008 wurde Herr Deimer als CIO des Jahres 2008 in der Kategorie Mittelstand ausgezeichnet (Computerwoche, CIO). E-Mail: Knut.Deimer@berlin-airport.de
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