Eine Unternehmenskultur, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit fördert, wirkt auf den Betriebserfolg. Das belegt die Verknüpfung zweier Studien, von denen eine den Aspekt Gesundheit und Unternehmenskultur, die andere den Aspekt Betriebserfolg und Unternehmenskultur untersucht hat.
In diesem Beitrag erfahren Sie:
welche kulturellen Werte den Unternehmenserfolg fördern, welche ihn dagegen, behindern
welche kulturellen Werte für Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter wichtig sind,
wie Unternehmenskultur, Gesundheit und Betriebserfolg zusammenhängen.
Grundlagen der Untersuchung
In einer breit angelegten Untersuchung, der SHAPE-Studie, wurden knapp 500 Führungskräfte nach ihrer persönlichen und beruflichen Situation befragt und zusätzlich deren Lebenspartner und enge Freunde [1]. Einbezogen in diese Studie war ein Forschungsteam der Unternehmensberatung Deep White in Bonn, die sich speziell mit dem Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und wirtschaftlichem Erfolg beschäftigt [2]. Die Studie fragt, wie es um den persönlichen Gesundheitszustand, die körperliche und die mentale Leistungsfähigkeit steht, und sie fragt nach der Unternehmenskultur, den Werten in der Arbeitswelt. Die Ausprägung der Erfolg treibenden Unternehmenswerte geht in der Auswertung mit dem Gesundheitszustand und der Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Führungskräfte einher. Der positive Zusammenhang zum Erfolg auf der einen Seite zeigt gleichfalls einen positiven Zusammenhang zum Gesundheitszustand und der Leistungsfähigkeit. Vice versa zeigen sich negative Korrelationen im Vergleich mit den Erfolgsbremsen [3].
Der Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und wirtschaftlichem Erfolg lässt sich mit Hilfe von Erfolgstreibern und Erfolgsbremsen beschreiben: Unter bestimmten Rahmenbedingungen entsteht in Unternehmen ein Betriebsklima, das erfolgreiches Arbeiten fördert oder gar erst ermöglicht. Aus der Datenauswertung und Gegenüberstellung mit dem wirtschaftlichen Erfolg resultierten so genannte Erfolgstreiber. Das sind Werte mit höherer Ausprägung bei den Teilnehmern aus erfolgreichen Unternehmen gegenüber den Befragten aus nicht-erfolgreichen Unternehmen und mit signifikant positiven Korrelationen zum Erfolg. Gleichermaßen bestätigen signifikant negative Korrelationen zum wirtschaftlichen Erfolg bestimmte Werte als »Erfolgsbremsen«.
Die Erhebung zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Manager einerseits und der Wertekultur in deren Arbeitswelt andererseits ermöglicht es, die Erkenntnisse über Erfolg treibende Werte in Unternehmen und die Wechselwirkungen zum Gesundheitszustand der Führungskräfte miteinander zu verknüpfen vgl. Abbildung 1.
Abb. 1:
Gesundheit, Unternehmenskultur und wirtschaftlicher Erfolg: Die Verknüpfung von Shape-Studie und Deep White Studie untersuchte den Zusammenhang.
Die Aufgabenstellung, die diesem Beitrag zugrunde liegt, besteht in der Verknüpfung. der beiden Studien:
1. Die Analyse der Deep White Ergebnisse einerseits über Erfolg treibende und Erfolg bremsende Zusammenhänge von Werten und Unternehmenserfolg und den SHAPE-Ergebnissen andererseits über die Zusammenhänge zwischen medizinischer Gesundheit und beruflichem Engagement soll Aufschluss geben, ob erfolgsrelevante Werthaltungen mit dem Gesundheitszustand von Führungskräften zusammenhängen und welche Bereiche betroffen sind, die von Unternehmen mit-gestaltet werden können.
2. Daraus kann abgeleitet werden, welche Gestaltungs- und Handlungsoptionen Unternehmen haben, um die Rahmenbedingungen für Ihre Führungskräfte und Mitarbeiter so zu gestalten, dass Arbeitszufriedenheit und persönliche Lebensqualität gleichermaßen wie der Erfolg des Unternehmens gefördert werden.
Studie »Wertekultur und Unternehmenserfolg«
Deep White und das MCM Institut der Universität St. Gallen haben im Jahre 2003/04 in einer methodischen Grundlagenstudie »Wertekultur und Unternehmenserfolg« den Zusammenhang der Wertekultur auf messbare Ergebnisse quantifiziert [3]. Aus Richtung und ermittelter Stärke dieser Einflüsse wurde erforscht, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich der wirtschaftliche Unternehmenserfolg bei einer Optimierung der Wertekultur verändert. Die Ergebnisse sind für die Unternehmensführung von besonderer Wichtigkeit: Implementierung und Optimierung einer erfolgreichen Unternehmenskultur sind eng mit der Identität von Unternehmen verbunden und skizzieren damit die interdisziplinäre Aufgabe des »Werte-Managements« auf der obersten Führungsebene.
Methodik zur Kulturanalyse
Werte haben im Wesentlichen zwei Merkmale: Sie umschreiben Verhaltensweisen und Ziele actions and goals beziehungsweise Mittel und Zweck means and ends. Außerdem stellen Werte verbindliche Präferenzen und Prioritäten bezüglich möglicher Verhaltensweisen und Ziele. Setzt man diese beiden Punkte zueinander in Beziehung, so bedeutet dies, dass Werte Präferenzen und Prioritäten bezüglich verschiedener möglicher Ziele und Verhaltensweisen beschreiben. Gegenüber Normen, die stark gruppen- und situationsspezifisch geprägt sind, besitzen Werte eine stärker individuelle Komponente. Werte bilden eine Art übergeordnetes Referenzsystem für die Einstellungen und Motive eines Individuums.
Abb. 2:
Theoretisches Modell über den Zusammenhang von Unternehmenswerten und Unternehmenserfolg
Die Wertestudie überprüfte die Grundhypothese, nach der das Wertesystem von Unternehmen und der Unternehmenserfolg zusammenhängen. Insbesondere untersuchte das Projektteam folgende Fragen:
Welche Werte besitzen für Unternehmen Relevanz?
In welcher Form werden die spezifischen Werte in Unternehmen gelebt?
Lassen sich Werte und der Einfluss von Werten quantifizieren?
Besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen bestimmten Unternehmenswerten beziehungsweise Wertekombinationen, deren Ausprägung und dem Geschäftserfolg?
Aus der wissenschaftlichen Grundlagenstudie wurde von Deep White eine Methodik zur Kulturanalyse und zum Wertemanagement entwickelt. Seither wurden insgesamt 95 Unternehmen und Organisationen aus unterschiedlichsten Branchen untersucht.
Das untersuchte Werte-Inventar umfasst 135 einzelne Stimmungsindikatoren aus betriebsinternen Umfragen bei Führungskräften und Mitarbeitern. Die Teilnehmer wurden gebeten, die gegenwärtige Unternehmenskultur und Werte des Unternehmens auf einer fünfstufigen Skala zu beurteilen. Aus den 95 untersuchten Unternehmen und Organisationen wurde eine gewichtete Stichprobe von 2.761 Personen aus 45 Unternehmen gebildet.
Datenauswertung: Erfolgstreiber und Erfolgsbremsen
Die Gegenüberstellung der Unternehmenskultur auf Basis der Mitarbeiterbewertung mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens stellt das Kernstück der Untersuchungen dar. Die Vergleiche von Mittelwerten, Effektgrößen sowie Verteilungen, die Korrelationen sowie multivariate Methoden ermöglichen ein Herausarbeiten der kulturellen Besonderheiten und Unterschiede zwischen den Kulturen von erfolgreichen und nicht-erfolgreichen Unternehmen. Mittels der entsprechenden Testverfahren und Testparameter Chi-Quadrat, T-Test; Pearsons R wurden die Ergebnisse hinsichtlich der Signifikanz der Unterschiede respektive Zusammenhänge zum Erfolg untermauert [4].
Aus der Datenauswertung und Gegenüberstellung mit dem wirtschaftlichen Erfolg resultierten so genannte Erfolgstreiber und Erfolgsbremsen:
Erfolgstreiber sind Werte mit einer signifikant höheren Zustimmung und einem signifikant höheren Mittelwert bei den Befragten in erfolgreichen Unternehmen gegenüber den Teilnehmern aus nicht-erfolgreichen Unternehmen. Systembedingt bestätigt eine signifikant positive Korrelation zum wirtschaftlichen Erfolg diese Erfolgstreiber.
Erfolgsbremsen sind Werte mit einer signifikant höheren Zustimmung und einem signifikant höheren Mittelwert bei den Befragten in nicht-erfolgreichen Unternehmen gegenüber den Teilnehmern aus erfolgrei-chen Unternehmen. Systembedingt bestätigt eine signifikant negative Korrelation zum wirtschaftlichen Erfolg diese Erfolgsbremsen.
Integration des Aspektes »Gesundheit«
Aus dem Werte-Inventar und Fragebogen von Deep White wurde für die Integration in den SHAPE-Fragebogen eine Auswahl getroffen. Es wurden Werte ausgewählt, die sich als Erfolgstreiber oder Erfolgsbremsen mit einem klaren Zusammenhang zum wirtschaftlichen Erfolg auszeichnen. Berücksichtigt wurde dabei auch, dass Items mit einer inhaltlichen Nähe zur SHAPE-Fragestellung Gesundheit etc. Eingang finden. Die folgende Tabelle enthält die auf diese Weise ausgewählten 26 Items jeweils in Form einer Kurzformulierung:
Tabelle 1: Für die SHAPE-Studie ausgewählte Items: Die 26 Kulturwerte haben nachweisbaren Einfluss auf den Unternehmenserfolg.
Wert / Kultur
Kurzformulierung
Corporate Design
Repräsentation durch Architektur, Innenausstattung, Corporate Design
Mitarbeiter Erscheinungsbild
Viel Wert auf ansprechendes Mitarbeiter-Erscheinungsbild
Beständige Strategie
Strategie der gleich bleibenden Richtung
Unternehmenstradition
Unternehmen fest mit Tradition verbunden
Schwung und Elan bei der Arbeit
Schwung und Elan bei der Arbeit
Gesundheits-Fürsorge
Gesundheit der Mitarbeiter aktiv unterstützt
Herausforderung
Herausforderung: Komplexe Aufgaben anpacken können
Starre Hierarchie
Ebenen werden eingehalten
Entscheidungen von oben
Entscheidungen werden von oben gefällt
Team-Ergänzung
Bei Teamarbeit auf Ergänzung achten
Tabelle 1: Für die SHAPE-Studie ausgewählte Items: Die 26 Kulturwerte haben nachweisbaren Einfluss auf den Unternehmenserfolg.
Wert / Kultur
Kurzformulierung
Freiraum für Ideen/Kreativität
Freiraum für Entwicklung von Ideen
Weiterbildung
Weiterbildung sehr wichtig
Ethik und Moral
Praktiken stets nach ethischen und moralischen Prinzipien
Arbeitsroutine
Arbeitsabläufe in Routine
Erfahrung der Mitarbeiter
Auf routinierte und erfahrene Mitarbeiter setzen
Persönliche Grenzen akzeptieren
Kein Überschreiten persönlicher Grenzen verlangt
Voll in der Arbeit aufgehen
Voll in der Arbeit aufgehen
Struktur/Schnittstellen
Klare Schnittstellen für Zusammenarbeit der Einheiten
Toleranz gegenüber Arbeitsweisen
Unterschiedliche Arbeitsweisen zulassen
Volle Ziel-Verantwortung
Jeder übernimmt für Zielerreichung Verantwortung
Gesellschaftliche Verantwortung
Gesellschaftliche wie wirtschaftliche Verantwortung ernst nehmen
Ökologische Verantwortung
Ökologische Konsequenzen so wichtig wie wirtschaftliche
Wettbewerb um Prämien
Harter Wettbewerb um Prämien untereinander
Interner Wettbewerb
Sich intern mit anderen messen
Wissen als Kapital
Wissen der Mitarbeiter ist wichtigstes Kapital
Klar formulierte Vision
Klar formulierte Vision
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Gregor Schönborn
Gregor Schönborn Dipl. Kommunikationswirt, Jahrgang 1959, ist Geschäftsführer der von ihm 2004 gegründeten Unternehmensberatung Deep White GmbH in Bonn. Kompetenz und Schwerpunktthemen: Werteforschung und Wertemanagement, Soft Facts, Identity-Prozesse, Reputationsmanagement, Public Relations, CSR Corporate Social Responsibility, Krisen- und Risikokommunikation, Public Affairs, Consulting und Coaching. mehr
Dr. Christine Buchholz
Dr. Christine Buchholz Dipl. oec.troph, Jahrgang 1972, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Deep White GmbH in Bonn. Sie studierte von 1995 bis 2000 Oecotrophologie mit Schwerpunkt Marktforschung an der Universität Bonn, 2000-2003 Promotion am Institut für Marktforschung der Universität Bonn zum Thema »Die Effizienz der Conjoint-Analyse zur Reduktion von Antwortverzerrungen in demoskopischern Erhebungen«. mehr