Flexible-Unternehmen
Ressourceneffizienz in der Produktion
Kosten senken durch Cleaner Production     
Nachhaltigkeit
 
Johannes Fresner
 

Umweltschutz wird von vielen Unternehmen noch immer als Belastung empfunden. Cleaner Production zeigt jedoch, dass prozessintegrierter Umweltschutz den Stoff- und Energieeinsatz für die Produktion reduziert, die Umweltleistung durch Vermeidung von Emissionen verbessert und gleichzeitig Kosten reduziert.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • was die praktischen Leitlinien einer nachhaltigen Wirtschaftsweise sind,
  • was das Konzept Cleaner Production beinhaltet,
  • was Betriebe tun können, um sich einer nachhaltigen, ressourceneffizienten Wirtschaftsweise anzunähern.

 

Die Herkunft des Begriffes nachhaltige Wirtschaftsweise

Donella und Dennis Meadows schrieben 1972 das Buch Limits to Growth [30]. Für das Buch verwendeten sie ein Modell, das sogenannte »World 3 Modell«, um die Wechselwirkungen zwischen der Erde als natürlichem System und der menschlichen Gesellschaft zu simulieren. Für die Originalarbeit wurden fünf wesentliche Variablen untersucht: Weltbevölkerung, Industrialisierung, Verschmutzung, Produktion von Lebensmitteln und Erschöpfung von Ressourcen. Die Modellierung erfolgte unter der Annahme exponentiellen Wachstums.

Das Modell errechnete, dass die Menschheit ungefähr ein Jahrhundert nach der Veröffentlichung des Buches mit äußerst ernsten ökologischen Problemen zu rechnen habe. Diese Probleme werden gemäß der Modellrechnung etwa in den 2030er und 2040er Jahren offensichtlich werden.

Vergleichbare Überlegungen wurden bereits zu anderen Zeiten und in anderem Umfeld angestellt:

Da der Bedarf an Holz für Bergwerke im späten Mittelalter sehr hoch war, wurde in Sachsen 1560 die »Kursächsische Forstordnung« aufgesetzt, die erstmals den Holzeinschlag limitierte.

Der Begriff der Nachhaltigkeit selbst wurde dann zuerst in einer Publikation von Hans Carl von Carlowitz verwendet [4]. In seinem Werk fasste Carlowitz das im Dreißigjährigen Krieg allgemein verloren gegangene forstliche Wissen zusammen, erweiterte es durch eigene Erfahrungen und äußerte als erster die Notwendigkeit des Prinzips der nachhaltigen Nutzung der Wälder.

1795 wurde schließlich von Georg Ludwig Hartig erstmals ausformuliert, was eine nachhaltige Wirtschaftsweise in allgemeinem Sinn bedeutet [22]: Nachhaltigkeit bezeichnet demnach zunächst die Bewirtschaftungsweise eines Waldes, bei der immer nur soviel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann, sodass sich der Wald immer wieder regenerieren kann.

Der Begriff der Nachhaltigkeit setzt sich heute im allgemeinen Verständnis aus drei Komponenten zusammen: der ökologischen Nachhaltigkeit, der ökonomischen Nachhaltigkeit und der sozialen Nachhaltigkeit.

Die drei Dimensionen einer nachhaltigen Wirtschaftsweise

Die ökologische Nachhaltigkeit beschreibt das Ziel, Natur und Umwelt für nachfolgende Generationen zu erhalten. Dies betrifft: Artenvielfalt, Klimaschutz, Landschaftspflege und generell den schonenden Umgang mit der natürlichen Umgebung.

Die ökonomische Nachhaltigkeit zielt darauf ab, die gesamte Wirtschaftsweise so auszulegen, dass sie dauerhaft eine tragfähige Grundlage für Erwerb und Wohlstand bietet.

Die soziale Nachhaltigkeit versteht die Entwicklung der Gesellschaft als einen partizipativen Weg für alle ihre Mitglieder, um eine zukunftsfähige und lebenswerte Gesellschaft zu erreichen.

1983 gründeten die Vereinten Nationen als unabhängige Sachverständigenkommission die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung WCED mit Sekretariat in Genf. Ihr Auftrag war die Erstellung eines Perspektivenberichtes zu langfristig tragfähiger, umweltschonender Entwicklung im Weltmaßstab bis zum Jahr 2000 und darüber hinaus. Die Kommission setzte sich aus 19 Bevollmächtigten aus 18 Staaten weltweit zusammen. Zur Vorsitzenden wurde die frühere Umweltministerin und damalige Ministerpräsidentin von Norwegen Gro Harlem Brundtland gewählt.

Die Kommission veröffentlichte vier Jahre später ihren auch als »Brundtland-Report« bekannt gewordenen Zukunftsbericht Unsere gemeinsame Zukunft oder Our Common Future [48]. Dieser beeinflusste die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik maßgeblich. Er wurde auf zwei internationalen Konferenzen eingehend diskutiert und war der auslösende Faktor für die Umweltkonferenz in Rio de Janeiro in 1992. Nachfolger dieser Konferenz war der Weltgipfel von Johannesburg in 2002.

Im Zukunftsbericht der WCED wurde 1987 das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung folgendermaßen definiert: »Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können.« [48]

Dieses Konzept ist die Basis einer politischen Strategie, die heute Teil der Gesetzgebung der Europäischen Union und der Gesetzgebung Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ist. Es spricht die Umweltprobleme der Industriestaaten ebenso an wie die Schuldenprobleme der dritten Welt und versucht, gleichermaßen eine Lösung für die Armut in der Dritten Welt zu liefern wie für globale Umweltprobleme.

Der Abschlussbericht der Brundtland-Kommission war deshalb für die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik richtungsweisend: mit ihm wurde erstmals das übergeordnete Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung beschrieben.

Die von der Kommission vorgestellten Konzepte einer nachhaltigen Entwicklung bildeten zum ersten Mal die Grundlage einer integrativen globalen Politikstrategie. So wurden herkömmlich als getrennt betrachtete Problembereiche, wie die Umweltverschmutzung in Industrieländern, globale Aufrüstung, Schuldenkrise, Bevölkerungsentwicklung und Ausbreitung von Wüsten in der dritten Welt in einem Wirkungsgeflecht gesehen, das durch einzelne Maßnahmen nicht würde gelöst werden können. Nach Ansicht der Kommission muss einerseits die Armut in den Entwicklungsländern überwunden werden, andererseits ist dagegen in den Industrieländern der materielle Wohlstand mit der Erhaltung der Natur als Lebensgrundlage in Einklang zu bringen.

Für die Zukunft muss davon ausgegangen werden, dass sich die Konsum- und Lebensweisen der westlichen Industrieländer nicht auf die gesamte derzeitige und zukünftige Weltbevölkerung übertragen lassen. Weiter stellt die Kommission fest, dass die Weltwirtschaft die Bedürfnisse und legitimen Wünsche der Menschen befriedigen müsse, wobei das Weltwirtschaftswachstum aber die ökologischen Grenzen der Erde nicht sprengen dürfe. Auch müssten die Menschen viele ihrer Tätigkeiten und ihre Lebensweise insgesamt ändern, wenn die Welt nicht vor unannehmbare menschliche Leiden und Umweltschäden gestellt werden solle.

Als Konsequenz fordert die Kommission eine neue Ära in der umweltgerechten wirtschaftlichen Entwicklung. Auf den Betrieb bezogen hat Wilhelm Autischer Austrian Business Council for Sustainable Development 2003 formuliert [1]: »Wir wollen wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung verbinden.«

Nachhaltigkeit ist damit eine Unternehmensstrategie, die ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Kriterien optimal integriert und daraus Wettbewerbsvorteile erzielt.

Nachhaltigkeit wirkt in drei Dimensionen:

  • Soziale Wohlfahrt,
  • Ökologie und
  • Ökonomie.

Nachhaltige Entwicklung beinhaltet eine integrale Auseinandersetzung mit den Umweltaspekten des Betriebes. Sie strebt langfristigen wirtschaftlichen Erfolg an und berücksichtigt Gerechtigkeit für alle am Prozess Beteiligten. Nachhaltigkeit ist ein umfassendes Ziel und sollte daher als übergeordnetes Leitbild verstanden werden. Das bedeutet, dass der Begriff die Vision einer langfristigen Entwicklung darstellt und nicht im Detail Feinziele für jeden Einzelnen vorgeben kann, da die Aufgabenstellung zu komplex ist.

Aus dem globalen Zielverständnis heraus muss sich jeder Einzelne dann für die eigene Situation überlegen, welche Schritte für ihn im Moment relevant sind. Die Formulierung eines Leitbildes erleichtert damit den Umgang mit der Situation scheinbarer Hilflosigkeit ob der globalen Dimension der Probleme.

Es geht nicht darum, mit einem Schlag alle Probleme auf einmal zu lösen, sondern richtige zukunftsfähige Schritte in die Richtung einer nachhaltigen Entwicklung zu definieren.

Die Inhalte des Konzeptes einer nachhaltigen Wirtschaftsweise

Die größten Gefahren für eine nachhaltige Entwicklung wurden 2001 im Göteborg-Papier der EU zusammengefasst [44].

Es sind dies:

  • Die globale Erwärmung durch Treibhausgase: Die CO2-Konzentration der Atmosphäre ist über die letzten 50 Jahre um mehr als 20% gestiegen, damit ist eine globale Temperaturerhöhung um 0,6-1C einhergegangen. Dies wird in erster Linie durch den Ausstoß von Treibhausgasen aus Industrie und Verkehr sowie privaten Haushalten hervorgerufen. Global werden heute jährlich 25-30 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Der Klimawandel wird von extremen Wetterereignissen begleitet.
  • Ein weiteres wesentliches Problem stellen die Langzeitauswirkungen von Chemikalien Dioxine, PCBs, chlorierte Kohlenwasserstoffe et cetera dar.
  • Armut und soziale Ausgrenzung betrifft vor allem Kranke, Arbeitslose, alleinerziehende Mütter und ältere Menschen.
  • Die Überalterung der Bevölkerung in den Industrieländern ist ein wesentliches Problem, damit verbunden die Rentenvorsorge.

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Dr. Johannes Fresner

Dr. Johannes Fresner Geboren 1963, studierte Verfahrenstechnik, seit 1991 Beratungstätigkeit im vorsorgenden Umweltschutz. Seit 1999 Geschäftsführer der STENUM GmbH in Graz, Österreich. Er arbeitete für über 200 Betriebe, darunter voestalpine Stahl Donawitz, Pengg, Peweag vorwiegend in Projekten zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Reduktion des Wasserverbrauches, zur Abfallvermeidung und zum Aufbau von Umweltmanagementsystemen. Internationale Projekte in über 20 Ländern, darunter Korea, Indien, Brasilien, Südafrika. Trainer für UNIDO (United Nations Industrial Development Organisation) beim Aufbau verschiedener Cleaner Production Center (in Brasilien, Nicaragua, Kolumbien, Russland, Ukraine). In Österreich Mitarbeit bei der Entwicklung der PREPARE-Methode und des ÖKOPROFIT-Ansatzes. Der von ihm entwickelte ZERMEG Ansatz (Zero Emissions Retrofitting Approach for Existing Galvanizing Plants) wurde 2008 mit dem Österreichischen Staatspreis für Umwelttechnologie ausgezeichnet.
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